Was ist Wachstum und was gibt es für Unterschiede im Wachstum?

Das Wachstum eines Menschen wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst: Geschlecht, Vererbung, angeborene Krankheiten und Lebensbedingungen.

Entscheidend für das Wachstum ist vor allem das Zusammenspiel bestimmter Hormone. Hormone sind allgemein Botenstoffe, die viele verschiedene Vorgänge im Körper steuern. Hierzu gehören beispielsweise das Knochenwachstum oder die Regulation des Blutzuckerspiegels. Hormone werden in verschiedenen Drüsen des Körpers gebildet und von dort aus in die Blutbahn abgegeben.

Der Hypothalamus, eine kleine Drüse im Gehirn, ist für das Wachstum und die Entwicklung verantwortlich. Er setzt Botenstoffe frei, die Wachstumsschübe auslösen. Wann das passiert, ist bei jedem Menschen verschieden.

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Wann wachsen wir besonders viel?

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Jeder Mensch wächst in seinem ersten Lebensjahr am meisten (durchschnittlich 25 Zentimeter), danach verlangsamt sich das Wachstum deutlich. Vor der Pubertät wächst man nur fünf bis sechs Zentimeter im Jahr. Zu Beginn der Pubertät kommt der große Wachstumsschub: Mädchen werden innerhalb eines Jahres bis zu achteinhalb, Jungen sogar fast zehn Zentimeter größer.

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Wie wachsen wir?

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Der Körper wächst nicht gleichmäßig, bei den Händen und Füßen beginnt das Wachstum, der Rumpf folgt. Doch nicht nur das Körperwachstum ist oft ungleichmäßig, auch das Gesicht verändert sich in unregelmäßigen Schüben.

Wie groß man wird, hängt vor allem von der Vererbung ab. Wer große Eltern hat, wird groß. Wer kleine Eltern hat, wird klein.

Was ist ein Wachstumshormon und welche Funktionen hat es im Körper?

Wachstumshormon (Somatropin, Growth Hormone, GH) ist ein Botenstoff, der im vorderen Lappen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet und überwiegend nachts ausgeschüttet wird. Es wird in den Blutkreislauf abgegeben und steuert viele verschiedene Körperfunktionen. Wichtig ist Wachstumshormon vor allem für das Längenwachstum im Kindes- und Jugendalter. Daneben spielt es beispielsweise auch bei der Regulation des Zuckerhaushalts und des Fett- und Knochenstoffwechsels eine wichtige Rolle. Daher nimmt die tägliche Menge an ausgeschüttetem Wachstumshormon im Erwachsenenalter zwar ab, es wird jedoch lebenslang benötigt. Eine gesunde Hypophyse ist in der Lage, sich auf die Anforderungen des Körpers einzustellen und Hormon in der jeweils erforderlichen Menge auszuschütten.

Wie kommt es zu Wachstumsstörungen?

Wachstumshormonmangel ist eine der wichtigsten Ursachen von Wachstumsstörungen. Aber auch erblich bedingte Krankheiten, Ernährungs- oder andere Hormonstörungen können zu Wachstumsstörungen führen, ohne dass ein Mangel an Wachstumshormon vorliegt. Genetisch bedingt kann beispielsweise eine vorgeburtliche Wachstumsverzögerung (Small for Gestational Age, SGA) sein. Zu den genetischen Erkrankungen zählen unter anderem auch das Ullrich-Turner-Syndrom oder das Prader-Willi-Syndrom. Es kann aber auch bei Nierenfunktionsstörungen (chronische Niereninsuffizienz) zu Kleinwuchs kommen.

Welche Auswirkungen hat das?

Eine Wachstumsstörung kann nicht nur die körperliche Entwicklung beeinträchtigen: Zudem kann sich diese auch negativ auf die sogenannte psychosoziale Entwicklung auswirken. Anzeichen hierfür können ein mangelndes Selbstbewusstsein oder Verhaltensauffälligkeiten sein. Die fehlende Körpergröße sowie der gelegentlich mit einer Wachstumsstörung verbundene verzögerte Beginn der Pubertät, können überdies beträchtliche Auswirkungen auf den emotionalen Reifungsprozess haben. Eine Wachstumsstörung und die genannten Begleiterscheinungen können die alltägliche Lebensqualität der betroffenen Kinder oder Jugendlichen deutlich beeinträchtigen.

Was ist ein Wachstumshormonmangel?

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Wenn die Hirnanhangsdrüse zu wenig oder kein Wachstumshormon freisetzt, kommt es zu einem Wachstumshormonmangel. Dabei handelt es sich um eine endokrinologische (das bedeutet: hormonell bedingte) Erkrankung. Die Unterfunktion der Hirnanhangsdrüse ist meist erblich bedingt. Daneben kann der Wachstumshormonmangel auch erworben sein: Kopfverletzungen, Infektionen, Tumoren oder eine Chemo- oder Strahlentherapie können zu einer Schädigung der Hirnanhangsdrüse und in der Folge zu einer verminderten Ausschüttung von Wachstumshormon führen.

Ein Wachstumshormonmangel hat gravierende Auswirkungen für die körperliche und psychosoziale Entwicklung Heranwachsender und beeinträchtigt Gesundheit und Lebensqualität im Kindes- wie Erwachsenenalter.

Wodurch äußert er sich?

Bei Kleinwuchs infolge eines Wachstumshormonmangels wachsen die Kinder proportioniert, bleiben aber in Körpergröße und Gewicht deutlich zurück. Im Vergleich zu Armen und Beinen ist der Rumpf oft rundlich, sie haben häufig kleine Hände und Füße, das Gesicht wirkt puppenhaft und die Stimme ist kindlich hell. Ohne Behandlung wird nur eine Körpergröße von 130 bis 140 cm erreicht. Bei Säuglingen und Kleinkindern wird ein Wachstumshormonmangel oft noch nicht auffällig. Im Verlauf der Entwicklung kommt es je nach Ausmaß des Wachstumshormonmangels zu einer unterschiedlichen Ausprägung der Krankheitszeichen. Dazu zählen:

  • geringeres, verlangsamtes Wachstum
  • Verzögerung der Knochenreifung
  • vermehrtes Fettgewebe, besonders im Bauchbereich
  • unterentwickelte Muskulatur
  • erniedrigte Blutzuckerspiegel
  • geringere Belastbarkeit

Bei Erwachsenen kann ein Wachstumshormonmangel zu einer verminderten Knochendichte, einem höheren Körperfettanteil, weniger Muskelmasse, einer geringeren Leistungsfähigkeit und Beeinträchtigungen der psychischen Befindlichkeit führen.