Wie kann man einen Wachstumshormonmangel behandeln?

Ist bei Ihrem Kind eine Behandlung mit Wachstumshormon angezeigt, wird der Kinderendokrinologe Ihr Kind auf die richtige Wachstumshormondosis einstellen, regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchführen und das Kind bis zum Abschluss der Therapie beziehungsweise Behandlung begleiten.

Für die Ersatztherapie werden gentechnisch hergestellte Produkte verwendet, die sich durch eine hohe Sicherheit und gute Verträglichkeit auszeichnen. Da Wachstumshormon ein Eiweiß ist, das im Magen sofort verdaut würde und daher nicht wirken könnte, kann es nicht als Tablette oder Tropfen eingenommen werden. Damit das Hormon seine Wirkung entfalten kann, wird es unter die Haut am Oberschenkel, Po, Bauch oder Oberarm gespritzt (subkutane Injektion).

ipsen_kurve

Speziell entwickelte Injektionshilfen, meist Pen genannt, erlauben eine einfache, schmerzlose Gabe der richtigen Dosis. Schulkinder können das Wachstumshormon meist schon selbst spritzen.

Das Wachstumshormon wird jeden Tag möglichst immer zur gleichen Zeit verabreicht, am besten abends, da auch ein gesunder Körper das meiste Wachstumshormon nachts ausschüttet. Die Einstichstelle sollte täglich wechseln. Eine regelmäßige Gabe ist wichtig für den Behandlungserfolg. Deshalb sollte die Behandlung fest zur Abendroutine gehören und zum Beispiel immer vor dem Zähneputzen erfolgen.

Wie lange dauert die Behandlung?

Bei Kindern und Jugendlichen ist ein Aufholwachstum unter der Hormonersatztherapie so lange zu erwarten, wie die Wachstumsfugen der Knochen (Epiphysenfugen) noch offen sind. Deshalb erfolgt die Behandlung zunächst bis zu deren Schließung im Jugendalter.

Die Geschwindigkeit des Längenwachstums nimmt unter der Therapie in der Mehrzahl der Fälle deutlich zu und das Kind holt seinen Rückstand rasch auf. Bei rechtzeitigem Beginn der Therapie und regelmäßiger Gabe sind die Chancen gut, dass das Kind seine Zielgröße (siehe Kapitel „Bedeutung der Wachstumsanalyse“) erreicht. Gleichzeitig normalisieren sich auch der Zuckerhaushalt, der Fett- und Knochenstoffwechsel sowie der Muskelaufbau, die durch den Hormonmangel beeinträchtigt waren. Die altersgemäße Entwicklung wirkt sich günstig auf die gesamte Lebensqualität aus.

Nach Abschluss des Längenwachstums benötigt der Körper weniger Wachstumshormon, um verschiedene Stoffwechselvorgänge aufrechtzuerhalten (siehe Kapitel „Wachstumshormonmangel“). Das von der Hirnanhangsdrüse des Patienten ausgeschüttete Hormon reicht hierfür oft aus, so dass die Ersatztherapie beendet werden kann.

Bei Patienten mit schwerer Funktionsbeeinträchtigung der Hirnanhangsdrüse oder deren komplettem Ausfall sollte eine Therapie auch nach Abschluss des Längenwachstums in verringerter Dosis fortgeführt werden, um die weitere Körperreifung vom Jugendlichen zum Erwachsenen zu gewährleisten. Auch im Erwachsenenalter kann eine Behandlung sinnvoll sein. Der Endokrinologe berät Sie, ob eine Behandlung weiterhin angezeigt ist.

Worauf muss man während der Behandlung achten?

  • Um den Behandlungserfolg zu gewährleisten, ist eine tägliche Gabe des Wachstumshormons wichtig – auch an den Wochenenden, in den Ferien oder unterwegs.
  • Sollte die Injektion einmal vergessen werden, wird die Behandlung am nächsten Abend wie empfohlen weiter durchgeführt. Ein Nachspritzen oder die Gabe der doppelten Dosis ist nicht sinnvoll.
  • Bei den meisten Erkrankungen wie Erkältungen oder Magen-Darm-Infekten wird die Hormonbehandlung wie gewohnt fortgesetzt. Holen Sie im Zweifelsfall den Rat Ihres behandelnden Arztes ein.
  • Die Kontrolluntersuchungen sollten regelmäßig wahrgenommen werden, bei denen der Arzt den Behandlungsverlauf und die Entwicklung des Kindes überprüft. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt auch mögliche Nebenwirkungen wie Kopf- oder Muskelschmerzen.
  • Im Alltag sind keine besonderen Maßnahmen erforderlich. Ihr Kind benötigt keine Schonung, kann Sport treiben und an Schulausflügen oder Klassenfahrten teilnehmen.

Wenn Sie bei Ihrem Kind eine Wachstumsstörung vermuten und daher einen Kinderarzt aufsuchen, können die nachfolgenden Fragen für das Gespräch mit dem Arzt nützlich sein. Die Fragen können Ihnen helfen, den Arzt besser zu verstehen und gezielte Nachfragen stellen zu können.